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Unsere praktischen Erfahrungen mit einem
Kachelofen
1. Der Kachelofen
Wir haben uns am “klassischen” Design orientiert, so wie die Öfen in alten Bauernhäusern, z.B. im Schwarzwald, noch heute anzutreffen sind. Unser Ofen musste nur den deutlich kleineren Platzverhältnisse angepasst werden.
Die dunkelgrüne Keramik bot 2006 nur noch ein einziger Hersteller an. Modernes Design, moderne Farben, sind dagegen in allen Varianten und Preislagen zu bekommen.
Heizphasen: Unser Ofen mit einer gußeisernen vorderen Ofenplatte strahlt schon nach 10 Minuten die erste Wärme ab. Aus durchbrochenen Kacheln, strömt nach ca. 20 Minuten Warmluft. Und die Ofenwände beginnen sich ab der 30-ten Minute zunehmend zu erwärmen.
Die Gesamt-Heizzeit (Befeuerung) für eine Erwärmung unserer 76 qm Wohnfläche im Erdgeschoss, durch den 8 KW Ofen, beträgt maximal 1 1/2 Stunden von knapp unter 20° (unsere Minimal-Temperatur) auf (abends) 23 oder 24° Raumtemperatur. Dann legen wir nichts mehr auf, das Feuer geht langsam aus. Nach der Befeuerungs-Phase heizt unser gemauerter Kachelofen, bei Außentemperaturen bis minus 5°, noch mindestens 6 Stunden nach. Die Raumtemperatur fällt dann langsam zurück.
Das auf und ab der Raumtemperatur ist natürlich auch abhängig von der Tageszeit. Morgens heizen wir die Räume bis höchstens 22°, abends muss es mollig warm sein, dann kühlt die Wohnung über Nacht nicht aus.
Brennmaterial: Wir verfeuern fast nur Buche und Eiche, dreijährig gelagert und mit einem Feuchtegrad, der, im Holzlager gemessen, selten über 14% liegt. Bessere Werte sind kaum zu erreichen, weil die allgemeine Luftfeuchte durchschnittlich 12% beträgt.
Die gute Trocknung erreichen wir durch eine absolut trockene Lagerung in einer ehemaligen Garage, die ausreichend belüftet ist. Auch die Holzkammern sind durch doppelte Latten-Unterlagen stärker unterlüftet als üblich.
Außerdem wird unser Brennholz mindestens einen Tag lang im Haus zwischengelagert, bis es zum Ofen kommt. Dadurch verringert sich die Obenflächenfeuchte weiter bis unter 10%. Vorteile: Es entsteht nur sehr selten Rauch bei der Verbrennung und der Energiewert des Holzes wird nicht durch Nässe beeinträchtigt.
Verbrauch: Für eine Befeuerung verbrauchen wir durchschnittlich 13 kg Brennholz. Ein Raummeter Buche/Eiche ist durchschnittlich 655 kg schwer. Somit betragen die Kosten für das Brennholz einer Befeuerung, bei einem Raummeter-Preis von 65,- EUR, ca. 1,30 EUR. Diese Schätzung ist möglich, wenn man über die Internetseite www.brennholz.info/au.html die Gewichtstabelle für Holzarten nutzt.
Nur zum Anheizen nehmen wir dünne Scheite, danach bevorzugen wir dicke Brennholzstücke, die langsamer abbrennen und somit mehr Wärme an den Ofen abgeben.
Unter minus 5 Grad Außentemperatur müssen wir dreimal pro Tag einheizen, sonst reichen zwei Befeuerungen für die oben genannten Raumtemperaturen. In der Übergangszeit stellen wir die Ölheizung sehr früh ab und heizen nur mit dem Kachelofen.
Bauart: Die genannten Verbrauchswerte können nur in Verbindung mit einem Wärmetauscher erreicht werden. Sie werden heute als gusseisernes Zusatzelement innerhalb der Ofen-Ummauerung (also nicht sichtbar) eingesetzt. Sie sind nur wenig kleiner als der Ofeneinsatz selbst. Der Rauch wird vom Ofen zuerst über den Wärmetauscher und danach erst zum Kamin abgeführt.
Für die Doppelbefeuerung für Holz und Kohle sind nur die Guss-Wärmetauscher zugelassen! Sie lassen auch eine höhere Erwärmung des Ofens zu, als die ausschließlich gemauerten Rauch-Abzügen der alten Kachelöfen. Diese dürfen nicht zu hoch erhitzt werden, weil sich sonst Risse bilden und, im schlimmsten Fall, lebensgefährliche Abgase austreten. Die gusseisernen Rauchzüge der modernen Kachelöfen bleiben, bei korrektem Einbau, auch bei hohen Temperaturen dicht.
Der Kachelofen muss eine ausreichende Frischluftzufuhr von außen bekommen, sie sollte windgeschützt liegen, damit der Wind keine Kaltluft in die Wohnung drückt. Dagegen kann der Kamin auf der Wetterseite stehen. Alles weitere bestimmen der örtliche Kaminkehrer mit dem Ofensetzer aufgrund bestehender Rechtsvorschriften.
Standort: Der Kachelofen sollte, wenn möglich, im Wohnraum und nicht im Keller stehen, dadurch wird die Abstrahlungs-Wärme direkt für die Wohnung genutzt. Kachelöfen im Keller haben, nach Schätzungen innerhalb unserer Verwandschaft, einen deutlich höheren Holzverbrauch.
Früher wurden Kachelöfen grundsätzlich ins Haus-Zentrum eingebaut, um alle Räume gleichmäßig beheizen zu können. In Altbauten ist dies oft nicht möglich. Dann bietet sich die Raum-Diagonale an. Sie funktioniert bei uns hervorragend.
Der Kachelofen sollte dann im größten und meist genutzten Wohnraum so aufgestellt werden, dass die Abwärme in die Raumdiagonale abstrahlt. Dadurch verteilt sich die Wärme optimal im Wohnraum selbst und kann, bei offenen Türen, auch die Nebenräume erwärmen.
Die Wärmeverteilung steht auch im Zusammenhang mit dem Grundriss der Wohnung und der Lage der Türen. Man muss schon bei der Vorplanung die physikalischen Regeln der Luftzirkulation bedenken.
Nebenräume eignen sich auch sehr gut als Wärme-Regulator. Da sie meist Schlafräume sind, brauchen dort nicht zu hohe Temperaturen erreicht werden. Sie bleiben vorerst geschlossen, sodass über die Zentralheizung nur die Grundtemperatur von z.B. 18° gehalten wird. Steigt die Wärme im Wohnraum zu hoch an, werden die Nebenräume geöffnet.
Zusätzliche Maueröffnungen, z.B. Durchbrüche über den Türen (ggf. mit Schiebetürchen), begünstigen die Wärmeverteilung und können dekorativ als Bücherregal kaschiert werden. Sie sollten aber nur für Neben-Aufenthalts-Räume, wie Kinderzimmer, nicht aber für Schlafräume vorgesehen werden.
„Ofenwärme ist anders“: Die Kachelofenwärme wird, im Vergleich zur Abstrahlung kleinerer Heizflächen, als angenehmer empfunden. Auch haben wir beobachtet, dass in unseren Räumen unterschiedliche Wärmezonen entstehen. Es gibt Bereiche die in der Aufheiz-Phase wärmer sind und andere die wir als weniger warm empfinden. Das hängt mit der physikalischen Zirkulation zusammen, die zuerst über die Decke erfolgt, bis sich die Wärme im ganzen Raum verteilt hat.
Außerdem werden die Räume aufgeheizt, um anschließend, bis zum nächsten Anheizen, wieder abzukühlen. Der Körper muss sich also immer wieder auf unterschiedliche Temperaturen umstellen.
Vergleichen Sie dazu ein Duschbad. Wenn Sie die Wasserwärme häufig wechseln, empfinden sie die Wärme des Wassers viel intensiver, als wenn Sie durchgehend mit der gleichen Temperatur duschen.
2. Zusatzfunktionen
Wenn an den Kachelofen die Brauchwasssererwärmung angeschlossen wird, sollte der Ofen im Keller stehen. Anderenfalls würden die Wohnräume im Sommer teils unerträglich aufgeheizt, wenn warmes Wasser benötigt wird. Durch den Standort im Keller verliert man aber ganzjährig sehr viel Brennwert durch die unnütze Abwärme im Keller und zudem ist man auf strom-betriebene Pumpen angewiesen. Mehrere meiner Verwandten schätzen ihren Wärmeverlust durch ihre Öfen im Keller auf mindestens 30%. Und das scheint, aufgrund meines vergleichbar geringen Verbrauchs, auch zu stimmen.
Besser ist es, wenn zum Kachelofen eine Solar-Brauchwasseranlage, zumindest langfristig, hinzu geplant wird. Dann kann die Ölheizung im Sommer abgeschaltet werden. Denn ein Kachelofen, der im Sommer nur geheizt werden muss, um Brauchwasser zu erwärmen ist, lt. verwandtschaftlicher Erfahrung, ewig ein Ärgernis. Es wird im Sommer im Haus zu warm und der Vorgang ist zu aufwendig.
Wer den Kachelofen auch noch mit Backfach ausrüsten will, braucht einen mindestens 11-12 KW Ofen. Das Backfach muss auf mehrere 100 Grad (angeblich 400 Grad) erhitzt werden. Vorheizen bis zum Backen: vier Stunden! Das ist nur möglich, wenn der umgebende Wohnraum groß genug ist, diese Hitze aufzunehmen, z.B. Eingangshallen großer Häuser. In kleineren Wohneinheiten „verbraten“ die Hausbewohner, so heiß wird es im Umfeld des Ofens.
Zum Vergleich: Im 76 qm großen Wohnraum genügen, im 8 KW-Ofen, maximal 1 ½ Stunde Brenndauer um (ab 19°) 24 Grad zu erreichen. Danach muss mit dem Heizen pausiert werden. Die Hitze im Raum und an der Oberfläche des Ofens würde sonst unerträglich. Ein Backfach könnte unter diesen Umständen nicht betrieben werden.
3. Alternativen zum Kachelofen
Die deutlich billigere Lösung zum Kachelofen sind Kaminöfen. Hier kommt es auf den individuellen Wärmebedarf an. Braucht man als Berufstätige nur 2-4 Stunden abends eine Zusatzheizung, dann lohnt sich der Kachelofen keinesfalls. Braucht man aber (anderes Extrem) den ganzen Tag über erhöhte Spitzenwerte mit 22 - 24° (Pflegepersonen, Alte im Haushalt), dann ist der Kachelofen mit einem guten Wärmetauscher die kostengünstigste Lösung für unsere Klimaverhältnisse.
In den Alpen gibt es noch die großen Speckstein-Kachelöfen. Echte Specksteinöfen benötigen einige Stunden, teilweise bis zu vier Füllungen, bis der Speckstein durchgehend warm ist. Dafür halten sie länger als einen ganz Tag (24 Stunden) die Hitze zur langsamen Abstrahlung vor. Sie sind aber enorm schwer und nicht für jede Deckenkonstruktion geeignet.
Zur Zeit werden, als sehr interessante Alternative, immer mehr Kaminöfen mit kleinen Wärmetauschern (Rauchumleitung um den Ofen herum) auf den Markt gebracht. Teilweise werden sie mit Specksteinverkleidungen angeboten. Preise und Technik liegen zwischen Kaminofen und Kachelofen.
Letztlich muss sich jeder vom Fachmann beraten lassen. Dabei sollten Sie sich viel Zeit beim Kachelofenbauer nehmen und alles gründlich überlegen, auch die Holzbeschaffung und Lagerung (siehe nächste Seite).
Zudem bespricht er mit Ihnen die Statik, die im Altbau, je nach Deckenkonstruktion, vom Fachmann kontrolliert werden muss. Wir haben sicherheitshalber den Kachelofen durch eine einfache Metall-Trägerkonstruktion im Keller unterstützt.
Vor- und Nachteile: Eine Holzofen-Heizung ist zweifellos mit mehr Aufwand verbunden als z.B. die automatisierten Öl- oder Gasheizungen. Aber der Holz-Ofenbau hat sich enorm entwickelt. Die heutigen Öfen, vom Fachmann erstellt, sind schnell angezündet und einfach zu bedienen. Die Kamine ziehen, im Gegensatz zu früher, hervorragend! Deshalb kann man ohne großen Aufwand, die behagliche Wärme genießen.
Eine Holz-Pellets-Heizung ist eine Alternative, die automatisch und doch mit erneuerbarem “Rohstoff” betrieben wird. Allerdings ist dieser “Rohstoff” per industriellem Verfahren zusätzlich bearbeitet, sodass immer mit höheren Preisen, im Vergleich zum natürlich belassenen Brennholz, zu rechnen ist.
3. Wärmeversorgung über drei Systeme
Ohne ausreichende Wärmegrundversorgung muss die Holzheizung höher ausgelegt werden und ist insgesamt aufwendiger durch: größeren Holzbedarf, entsprechend größeres Lager, größere Feuerung, größere Holzstücke, mehr Kraft- und Zeitaufwand. Das wollten wir uns nicht zumuten.
Außerdem kann eine Solo-Brennholz-Beheizung nicht auf automatischen Betrieb umgestellt werden. Dazu wäre eine Pelletsheizung erforderlich, die wir gemieden haben. Pellets werden industriell gefertigt und können nicht so günstig eingekauft werden, wie normales Brennholz.
Nach allen Überlegungen haben wir einen Heizenergie-Mix bevorzugt.
Wir erzeugen die Grundwärme über die Ölheizung – durchgehend 18 Grad, Tag und Nacht
Dazu werden die Wärmespitzen täglich, also nicht nur gelegentlich, über den Kachelofen erzeugt. Das heißt, sind wir zu Hause und sinkt die Raumtemperatur in die Nähe von 20 Grad, wird der Kachelofen angezündet. Den Kachelofen betreiben wir also nicht als Dekoration. Er ist eine unentbehrliche, kostengünstigere Zusatzheizung. Er ist eine ausschließliche Holzheizung, ohne Brauchwasser- oder Wärmegrund-Versorgung. Er hat also keine Zusatztechnik, die mit Strom betrieben werden müsste.
Brauchwasser und Zimmerheizung (Wärmegrundversorgung) sind durch eine Ölheizung gesichert. Sie wird unterstützt durch eine Solaranlage – jede Sonnenstunde zählt. Die Umlaufpumpe für das Brauchwasser wird nur dann über den automatischen Zeitregler eingeschaltet, wenn warmes Wasser wirklich gebraucht wird. Die Einsparungen durch diesen Energie-Mix waren erheblich. Wir verbrauchen nur noch ein Drittel der bisherigen Ölmenge.
Erfahrungen sammeln durch manuellen Betrieb: Im ersten Betriebsjahr habe ich, soweit wie möglich, die automatischen Betriebsabläufe abgestellt, um Erfahrungen zu sammeln. Heute wird die Ölheizung wieder automatisch geregelt. Der Aufwand für die Grundheizung ist minimal. Aber auch für die Holzheizung benötigen wir, durch die technischen Hilfsmittel, nur sehr wenig Zeit und Kraft, um eine angenehme Raumtemperatur zu erhalten.
3. Kosten
Ein Kachelofen „kommt selten allein“. Er muss in vielen Fällen mit einer weiteren Heizquelle unterstützt werden.
Die Anfangs-Investitionen für die oben genannte Kombination Kachelofen plus Solar ist teuer, ohne Frage. Für Solar und Kachelofen haben wir im Jahr 2006 zusammen ca. 25.000,- EUR bezahlt. In diesem Preis sind alle Bau- und Umbaumaßnahmen für den Kachelofen und für die Ölzentralheizung eingeschlossen. (für Solar und Kachelofen je 12 - 13.000 EUR, zus. 25.000,-)
Hinzu kommt noch die Erstausstattung des Holzlagers, einschließlich Brennholz für ein bis zwei Jahre. Alles zusammen betrug 2006 zwischen ca. 1500,- bis maximal 3000,- Euro, je nach Größe des Lagers, geplanter Eigenleistung bei der Brennholz-Aufbereitung und benötigter Hilfsmittel und Maschinen.
Die Ölheizung war erst vor wenigen Jahren auf neueste Blaubrenner-Technik umgestellt worden, sie gehört seitdem zu den besten Anlagen im Kehrbezirk unseres Schornsteinfegers. Für sie brauchten wir keine weiteren Kosten einzusetzen. Im Neubau oder, wenn eine Modernisierung einer alten Anlage nötig wird, müssen diese Kosten noch hinzugefügt werden.
Finanzierung: Per Darlehen kann eine solche Heizungsergänzung nicht kostengünstig finanziert werden. Wer aber z.B. die Bareinlagen eines Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung ausgezahlt bekommt, sollte sich seine Geld-Anlage gut überlegen.
25.000,- EUR bringen bei Banken mit Sicherheit eine geringere Rendite als die Investition in ein verbreitertes Energiekonzept. Immerhin sparen wir, durch den geringeren Ölverbrauch, jährlich 1000,- bis 1200,- EUR, die wir als absolut sicheres Plus einrechnen können. Dieser Betrag gilt für normale Winter. In sonnenreichen Wintern ist die Ersparnis sogar noch höher. Natürlich ist das Geld langfristig gebunden, aber bei einer einigermaßen sicheren und günstigen Geldanlage muss man sein Geld auch langfristig anlegen.
Und wer glaubt, nach 12 Jahren einen Mehrwert zu haben, weil er sein Geld von der Bank abheben kann, der kann die jährliche Energie-Ersparnis zur Bank bringen und zusätzlich zu seinem langlebigen Kachelofen noch ein gutes Sümm´chen einstreichen. Irgendwann, je nach Anlageglück oder -pech wird ein Schnitt entstehen, ab dem die Rechnung, nach unserer Meinung, zugunsten von Kachelofen und Solar ausschlägt. Genau vorhersehen lässt sich das nicht, weil in der Berechnung die zukünftige Entwicklung der Energiekosten und der Inflation einbezogen werden müsste.
Weitere Themen zur Holzheizung unter “Holzlager” und “Tabellen”, auf den folgenden Seiten.
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